Von MDG zu SDG: Was leisten die neuen Ziele im Bereich der Gender Equality?

Entwicklungspolitik

Gender

Angela Niederberger – Die Sustainable Development Goals(SDG) und vor allem deren fünftes Ziel zeigen einen Weg auf, wie die Geschlechtergleichstellung in den nächsten 15 Jahren forciert werden könnte. Auch in der Schweiz besteht Handlungsbedarf.

Die SDG lösen ab Januar 2016 die MDG ab. Der Übergang von der alten zur neuen globalen Zielsetzung für Entwicklung wirft viele Fragen auf, zum Beispiel wie die Erfolge und Misserfolge bei den MDG in die Definition der neuen Ziele eingeflossen sind. Auch fragt sich, welchen zusätzlichen Nutzen der neue Zielkatalog bietet. Am fünften Ziel zur Geschlechtergleichstellung lässt sich der Fortschritt in verschiedenen Dimensionen aufzeigen.

Übergang zu einer umfassenderen Betrachtung von Geschlechtergleichstellung

Das MDG zur Geschlechtergleichstellung ist eng fokussiert auf Bildung, politische Partizipation und die Förderung von bezahlter Arbeit für Frauen. Aspekte wie Gewalt, die Aufteilung von unbezahlter Arbeit oder die Verletzung der Menschenrechte von Frauen blieben ohne Beachtung. Trotz der starken Fokussierung auf die drei ersten Aspekte wurden nur bei der Bildung wirkliche Fortschritte erzielt.

Um dies zu korrigieren, wird einerseits in den neuen nachhaltigen Entwicklungszielen die Geschlechtergleichstellung als Querschnittthema verstanden, welches alle Ziele betrifft. Andererseits widmet sich das fünfte Ziel ausschliesslich der Gender Equality. Zudem sollen die Indikatoren so gewählt werden, dass sie den Handlungsbedarf in allen Ländern abbilden – auch in der Schweiz.

Querschnittthema und separates Ziel

Da Geschlechtergleichstellung als Querschnittthema definiert ist, wurden die beiden Aspekte der Bildung und der bezahlten Arbeit von Frauen in den SDG zu Bildung und Arbeit integriert. Geschlechtergleichheit soll aber überhaupt bei allen Zielen erreicht werden. Deshalb müssen bei den SDG auch für alle Ziele nach Geschlecht desaggregierte Daten gesammelt werden. Das Ziel der Gender Equality ist somit nicht mehr eine Besonderheit, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Trotzdem wurde ein eigenständiges SDG, das fünfte Ziel, definiert, das sich unter anderem mit Diskriminierung, Gewalt gegen Frauen und schädlichen Bräuchen auseinander setzt. Von den MDG wurde das Unterziel der politischen Partizipation von Frauen übernommen. Das fünfte Ziel beschäftigt sich mit Themen, die Frauen speziell betreffen, wie Geschlechtsverstümmelung oder frauenfeindliche Gesetzgebungen. Dieses separate Ziel zu Gender Equality ist notwendig, damit der systematischen Benachteiligung von Frauen Beachtung geschenkt wird.

Universalität der Ziele

Eine weitere wichtige Eigenheit der neuen Entwicklungsziele ist deren Universalität. Es sind nicht bloss einkommensschwache Länder zu Nachhaltiger Entwicklung aufgefordert, sondern alle. Und auch Länder wie die Schweiz haben noch viel zu tun. Das Thema der Geschlechtergleichheit zeigt diesen Handlungsbedarf klar auf, da die Schweiz in diesem Bereich im Vergleich mit anderen OECD-Ländernschlecht abschneidet.

Gemäss der Beteiligung von Frauen im Parlament erreicht die Schweiz mit 31 Prozent gerade mal das Mittelfeld. Die Neubesetzung des kanadischen Kabinetts durch den Premier Justin Trudeau ist ein Beispiel dafür, dass dieser Zustand weit überholt ist. Noch krasser zeigt sich die Ungleichheit beim Lohn: in der Schweiz verdienen Männer durchschnittlich 18.5 Proeznt mehr als ihre weiblichen Kolleginnen, die dieselbe Arbeit verrichten. Diese frappante Lohnungleichheit platziert uns im untersten Viertel der OECD-Länder. Die SDG geben hoffentlich auch hierzulande Anlass, solche Diskriminierung zu erkennen und zu bekämpfen.

SDG sind ein grosser Schritt in die richtige Richtung

Abschliessend möchte ich betonen, dass mit den SDG ein grosser Schritt getan ist für eine umfassendere, weltweite Beachtung von Geschlechtergleichheit. Sie bilden eine solide Grundlage für eine Überwachung des Fortschritts in den nächsten 15 Jahren – auch in reichen Ländern wie der Schweiz. Obwohl noch viel von der gegenwärtigen Ausarbeitung von passenden Indikatoren abhängt, bereiten die SDG im Bereich Gender den Weg für eine Beseitigung von weltweiter, systematischer Benachteiligung von Frauen.

Angela Niederberger (28) hat in Basel Nachhaltige Entwicklung studiert und arbeitet bei CBM (Schweiz) in Thalwil.

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