Ferien Ja, Studieren Nein

Europa

Von Luca Gobbo – Dass Italien neben hervorragendem Essen und schönen Landschaften auch sehr gute Universitäten zu bieten hat, scheint sich (noch nicht) herumgesprochen zu haben. Zeit also den universitären Austausch zu fördern und somit den bilateralen Beziehungen einen Dienst zu erweisen.

Kilometerlange Staus am Gotthard, Moby-Dick Aufkleber auf Schweizer Autos und tausende Postkarten aus Olbia, Caorle oder Rom beweisen es: Italien bleibt die beliebteste ausländische Feriendestinationen für Frau und Herr Schweizer. Mehr als Frankreich (10%) oder Deutschland (11%) gehen somit 12% aller Reisen in unser südliches Nachbarland (BfS, Panorama Statistik 2013). Auch wenn dies den schweizerisch-italienischen Beziehungen sicher nicht abkömmlich ist, bleibt der kulturelle Austausch bei den meisten dieser Reisen begrenzt. Mehr als im Restaurant eine Pizza bestellen oder einen Ventilator für das Hotelzimmer verlangen liegt oft nicht drin.

Italien hat mehr zu bieten als Strand, Sonne und Pizza, nur wissen das in der Schweiz zu wenig Studierende.

Kilometerlange Staus am Gotthard, Moby-Dick Aufkleber auf Schweizer Autos und tausende Postkarten aus Olbia, Caorle oder Rom beweisen es: Italien bleibt die beliebteste ausländische Feriendestinationen für Frau und Herr Schweizer. Mehr als Frankreich (10%) oder Deutschland (11%) gehen somit 12% aller Reisen in unser südliches Nachbarland (BfS, Panorama Statistik 2013). Auch wenn dies den schweizerisch-italienischen Beziehungen sicher nicht abkömmlich ist, bleibt der kulturelle Austausch bei den meisten dieser Reisen begrenzt. Mehr als im Restaurant eine Pizza bestellen oder einen Ventilator für das Hotelzimmer verlangen liegt oft nicht drin.

Selbst wenn nur für eine begrenzte Anzahl Menschen möglich, besteht dank Mobilitätsprogrammen wie beispielsweise Erasmus die Möglichkeit, genau diesen Austausch zu fördern. Ein halbes oder ganzes Jahr in einem fremden Land erweitert nicht nur den eigenen Horizont sondern bietet unzählige Gelegenheiten kulturellen Austauschs zwischen Gast und dem Gastgeberland. Positive wie auch negative Begegnungen führen zwar nicht immer zwingend zu grösserer Sympathie, fördern aber durchaus das gegenseitige Verständnis.

Ein Blick auf die alljährlichen Erasmus Statistiken zeigt, dass auch Schweizer Studenten von der Begeisterung eines Austauschs erfasst worden sind. Ihre Destinationen befinden sich aber hauptsächlich nicht auf der italienischen Halbinsel. Dass Ferien nicht gleich studieren ist liegt auf der Hand. Doch erstaunt es, dass es Italien momentan nicht einmal unter die ersten fünf Destinationen schafft. Deutschland, Frankreich und Spanien stehen auf dem Podest, dicht gefolgt von Grossbritannien und Schweden. Eine Schmach für „il bel paese“, insbesondere wenn man bedenkt, dass Italien mehr Weltmeistertitel im Fussball geholt hat, als alle anderen zusammen – allerdings nur wenn Deutschland nicht mitgezählt wird. Doch lässt sich diese studentische Skepsis kaum mit der mangelnden Attraktivität der Städte, des Klimas und des Essens begründen. Der Grund kann scheinbar nur im italienischen Bildungssystem liegen.

Nimmt man die Statistiken für die italienischen Austauschstudenten in der Schweiz, so ergibt sich ebenfalls ein eher negatives Bild. Auch hier gehört die Schweiz nicht zu beliebtesten fünf Destinationen, auch hier glänzen Frankreich und Spanien mit Podestplätzen. Meno male, die Abneigung beruht somit auf Gegenseitigkeit. Ob italienische Studenten aus den gleichen Gründen die Schweiz als Studiendestination meiden, sei dahingestellt. Fakt bleibt: Trotz zahlreichen Kooperationen zwischen Hochschulen aus beiden Ländern, hinkt der universitäre Austausch der allgemeinen Bedeutung der bilateralen Beziehungen hinterher.

Der Schlüssel zum Erfolg: Attraktivität steigern, italienisch fördern und Kooperationen ausbauen

Glaubt man den unzähligen Universitätsrankings, so erstaunt das schlechte Abschneiden Italien als Studiendestination kaum. Die anhaltenden Kürzungen im Bildungssektor haben den Standard mancher italienischen Universitäten arg heruntergebracht. Zugegeben: kaputte Infrastruktur, administratives Chaos und laute Kommilitonen können auf das Schweizer Gemüt schlagen. Doch wage ich es zu behaupten, dass in diesen Punkten spanische oder französische Universitäten kaum mit Glanzresultaten brillieren. Italien, sowie auch Frankreich oder Spanien, beheimatet aber durchaus einige ausgezeichnete Universitäten. Die Bocconi in Mailand, deren ehemaliger Rektor vor nicht all zu langer Zeit italienischer Ministerpräsident war, die Universität Bologna, die älteste Hochschule Europas oder die LUISS, das römische Pendant der Bocconi, sind allesamt international anerkannte Bildungsstätten.

Somit bleibt nach dieser Analyse nur eine Schlussfolgerung: Wenn Land, Kultur und Bildungseinrichtungen alles für ein gelungenes Austauschjahr bieten, liegen die Versäumnisse woanders, beispielsweise bei der mangelhaften Vermarktung der Hochschulen. Dies fängt bei der oftmals unvollständigen Information im Internet an. Da sich die allermeisten Studenten bei der Wahl ihrer Austauschuniversität im Voraus informieren, kann eine fehlende Angabe oder Übersetzung den Entscheid massiv beeinflussen, ob die Mühen einen Austausch wert sind. Selbstverständlich reicht ein guter digitaler Auftritt nicht, denn oftmals wissen viele Studenten gar nicht, dass es die eine oder andere Universität überhaupt gibt. Werbung an Hochschulmessen oder an den Anschlagbrettern von Partneruniversitäten sind hier einfache aber effiziente Mittel sich bekannt zu machen. Noch effektiver wäre es, vermehrt Doppelmaster zwischen schweizerischen und italienischen Universitäten anzubieten. Hier wären sowohl der jeweilige Austausch wie auch die Bekanntmachung der Hochschulen gewährleistet.

Auch die Sprache stellt oftmals ein ernst zu nehmendes Hindernis dar. Es mag vielleicht sein, dass Italienische Hochschulen zu wenig englischsprachige Kurse anbieten und somit ausländische Studenten abschrecken. Doch hier muss sich auch die Schweiz an die Nase nehmen, da unsere dritte Landessprache seit Jahren vernachlässigt wird. Die Förderung des Italienischen in der Sekundarstufe könnte hier durchaus zu mehr universitären Austausch führen.

Eine Aufwertung der Attraktivität der jeweiligen Destinationen ist nur eine Methode, um die Sensibilität zwischen der Schweiz und einem ihrer wichtigsten Partner zumindest für die Zukunft zu stärken. Sowohl die Schweiz, als auch Italien können davon profitieren, wenn ihre Bürger schon in jungen Jahren miteinander in Kontakt getreten sind, Ideen ausgetauscht und ja, auch mal zusammen angestossen haben. Denn wer sich kennt, kann besser aufeinander eingehen, Kompromisse schliessen und zusammenarbeiten. Dass dies für unsere Beziehungen zu Italien vor allem im Hinblick auf zukünftige Herausforderungen wichtig sein wird, brauche ich nicht einmal zu begründen.

Luca Gobbo (26) hat internationale Beziehungen in Genf und Europastudien in Rom studiert. Nach einem längeren Aufenthalt in Südamerika arbeitet er zurzeit für die Konferenz der Kantonsregierungen im politischen Herzen der Schweiz.

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