Wort zum Sonntag: Es war einmal Weltfriedenstag

Stephan Klee – Es war Weltfriedenstag und niemand hatte dazu etwas zu sagen.

Als am 21. September der Weltfriedenstag begangen wurde, blieb er in der Öffentlichkeit nicht einmal eine Randnotiz. In keiner Tages- oder Wochenzeitung auch nur ein Wort. Aber die NZZ feierte Hundert Jahre Panzer.

Auch kein Wort aus Bern. Scheinbar wollte niemand den Begriff der Schweizerischen humanitären Tradition überstrapazieren.

Es ist Zeit dieser Bigotterie den Kampf anzusagen.

Wie um alles in der Welt [sic] können wir die ganze Zeit über die Flüchtlingspolitik diskutieren und lamentieren, ohne das Übel an der Wurzel zu packen?

Gestern am 3. Oktober gaben die USA bekannt, die Syrien-Gespräche mit Russland auf Eis zu legen. Und wie lange hielt der letzte Waffenstillstand in Syrien an? Ein lächerlicher Waffenstillstand, der Angriffe auf Terroristen weiter erlaubt und somit auch Kollateralschäden an der zivilen Bevölkerung in Kauf nimmt.

Die USA bombardieren Stellungen der syrischen Armee. Wahrscheinlich greift Russland einen Hilfskonvoi der UNO aus der Luft an.

Wenn noch ein Funken an humanitärer Tradition der Schweiz gefragt ist, so muss der Bundesrat Eier beweisen – Entschuldigung, aber es ist Zeit für Klartext.

Zitiert die Botschafter der USA, Russland, Türkei und Syrien, wie auch die Mitläufer aus Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Dänemark, Polen, Kanada und Australien, die die US-geführte Koalition gegen den IS unterstützen, vor den Bundesrat und lasst euch erklären, was da in Syrien abgeht und wieso sie noch mehr Flüchtlinge (und Terroristen) generieren?

Wir haben genug davon!

Und wir sind nicht dumm. Wir wissen schon, dass die tiefen Ölpreise gerade den USA, Grossbritannien und Russland Probleme bereiten und alles versucht wird, den Preis in die Höhe zu treiben. Und es geht um die Herrschaft von Pipelines, die das Öl vom arabischen Golf nach Europa bringen. Aber nicht mit uns.

Wir müssen uns von den fossilen Brennstoffen sowieso verabschieden, auch wenn die Initiative für eine grüne Wirtschaft abgelehnt wurde.

Und zwar rasch. Dann kann auch in Syrien, Libanon, Sudan, Tschad, Nigeria und weiteren Konfliktregionen der Frieden einziehen.

Oder sollen wir einfach wie der Vogelstrauss den Kopf in den Sand stecken und warten bis uns die Schwanzfedern abbrennen?

Stephan Klee (47) ist Evolutionsbiologe und lebt in Sissach/BL.
 

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