175 Länder unterzeichneten letzten Freitag das Pariser Abkommen – diese Ambition braucht es nun auch in der Umsetzung

Linde Warland & Stephan Schnez - 175 Länder unterzeichneten das Pariser Abkommen – nun muss die Umsetzung vorangetrieben werden. Der zentrale Punkt dabei: Eine signifikante Verringerung der CO2-Emissionen.

Es war ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur Umsetzung des Pariser Abkommens als letzten Freitag in New York, insgesamt 175 Länder, darunter auch die Schweiz, das Abkommen unterzeichneten. Es ist ein Bekenntnis für  eine ambitionierte internationale Klimapolitik – doch unterzeichnen alleine reicht nicht: Bis das Abkommen in Kraft treten wird, müssen mindestens 55 Länder, die 55 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen abdecken, das Abkommen nicht nur unterzeichnet, sondern jeweils auch ein weiteres Instrument zur Annahme des Abkommens eingereicht haben.

Wichtig werden hierbei die Klimaverhandlungen in knapp drei Wochen in Bonn (16.-26. Mai) als erste Verhandlungen seit dem Abschluss des Pariser Abkommens im Dezember. Ein zentraler Punkt sollte dort sein, wie die Ambitionen weiter gesteigert und national umgesetzt werden können. Denn das Pariser Abkommen setzt zwar hohe Ziele für den maximalen globalen Temperaturanstieg (deutlich unter 2ºC, sowie Bestrebungen unter 1.5ºC zu bleiben). Es hält aber zugleich fest, dass die derzeit eingereichten Reduktionsbeiträge der Länder nicht ausreichen, um die 2ºC-Obergrenze im Rahmen eines Szenarios mit den geringsten Kosten zu erreichen, und dass weitaus mehr getan werden muss, um unterhalb der 2ºC Obergrenze zu bleiben und 1.5ºC anzustreben.

Die Steinzeit endete nicht mangels Steinen

Dementsprechend herausfordernd ist die Aufgabe, die nun vor uns liegt. Ein geflügeltes Wort besagt, dass die Steinzeit nicht aufgrund eines Mangels an Steinen endete. Ähnlich muss es auch mit dem Zeitalter der fossilen Energieversorgung sein: Forschungsergebnisse zeigen, dass die Menschheit nur  noch ca. 884 Gigatonnen (Gt) CO2 in die Atmosphäre emittieren darf, wenn die Ergebnisse des Pariser Abkommens mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent  eingehalten werden sollen (für die 2ºC-Obergrenze, ca. 284 Gt für das 1.5ºC-Ziel). Dem gegenüber stehen etwa 11000 Gt an CO2-Emissionen, sollten die bekannten Öl-, Gas- und Kohleressourcen verbrannt werden. Das bedeutet, dass nur ein Bruchteil der vorhandenen fossilen Vorkommen verbraucht werden kann.

2014 wurden rund 35 Gt CO2 global emittiert, so dass uns nur eine überschaubare Anzahl an Jahren bleibt, um die Welt zu dekarbonisieren. Hierbei bedeutet Dekarbonisierung, dass die Netto-Treibhausgasemissionen auf Null reduziert werden.

Kompletter Umbau des Energiesystems

Der heutige Energiemix hat sich als Folge der Industrialisierung ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der Elektrifizierung mit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt, also über ca. 250 Jahre. Legt man die aktuellen Emissionen und das vorhandene Kohlendioxidbudget zugrunde, dann müssen wir dieses historisch gewachsene System bis zur Mitte des Jahrhunderts komplett umbauen. Dies ist eine wahrhaft globale Herausforderung, die eine technische, wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit aller Nationen und einen Bewusstseinswandel aller Menschen verlangt!

In Bonn sollte daher von Beginn an diskutiert werden, wie die Ambitionen in den Ländern gesteigert werden können. Dazu gehört zum einen die Klärung des Prozesses für die alle fünf Jahre stattfindende Überprüfung der nationalen Beiträge in Bezug auf die Erreichung der Ziele des Abkommens. Hervorzuheben ist hierbei, dass die Beiträge jeweils eine Steigerung der vorherigen sein sollen. Zum anderen gehört dazu die Unterstützung von Entwicklungsländern in der Umsetzung ihrer Beiträge. Und schliesslich sollten Allianzen von Ländern wie die “High Ambition Coalition“ in Paris gestärkt werden, die in einzelnen Bereichen oder insgesamt ambitionierter vorangehen möchten.

Linde Warland ist Programmleiterin Umwelt, Energie & Verkehr bei foraus.

Stephan Schnez ist promovierter Physiker und lebt in Zürich. Er arbeitet am Forschungszentrum eines internationalen Elektrotechnikkonzerns.

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Linde Warland

Programmleiterin Umwelt, Energie & Verkehr.

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