SDG Inc.: Partnerschaften sollen zum Ziel führen

Marianne Bolt – Die SDG sollen mittels Partnerschaften umgesetzt werden. Ein Augenschein, wie Grosskonzerne in der Schweiz heute ihrer Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeit nachkommen und wo Verbesserungspotenzial besteht.

Der Planet soll geschützt, Wohlstand gefördert und Frieden erreicht werden. Die 17 Ziele, die am UN-Nachhaltigkeitsgipfel gesetzt und in der Agenda 2030 festgehalten worden sind, bauen auf den Millenniums-Entwicklungszielen auf und vervollständigen, was diese nicht erreicht hatten. Die Agenda 2030 ist ein Mittel, um u.a. gegen Armut und Hunger vorzugehen, die Gesundheit und Bildung zu fördern, Zugang zu sauberem Wasser zu bieten, Innovation und Infrastruktur voranzutreiben, Produktion und Konsum verantwortungsvoll zu gestalten sowie Klimaschutz effizient anzugehen. Der Weg zur erfolgreichen Umsetzung: Partnerschaften. Die bisher präsentierten Partnerschaften, die zur Umsetzung eines der 17 Ziele beitragen wollen, bestehen grösstenteils aus der Zusammenarbeit von Regierungen, internationalen Organisationen und Stiftungen. Noch stark in der Minderheit ist die direkte Zusammenarbeit mit Grossunternehmen.

Mittel zum Erfolg: Einbezug der Wirtschaft

Die Ziele des Nachhaltigkeitsgipfels dürften jedoch nur erfolgreich angegangen werden, wenn auch die Wirtschaft vermehrt mit in die Umsetzung resp. direkte Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen eingebunden wird. Denn:
• Grossunternehmen können ihre Produktions- resp. Wertschöpfungskette nachhaltig gestalten und dadurch zum Erreichen gesteckter Ziele in den Bereichen Umweltschutz und Arbeitsbedingungen beitragen.
• Sie verfügen in ihrem Tätigkeitsbereich über ein sehr fundiertes Knowhow. In Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen könnte dieses zielorientiert eingesetzt werden.
• Internationale Organisationen kennen die Bedürfnisse und verfügen über Netzwerke vor Ort. Ein Schulterschluss mit Unternehmen würde diese Informationen mit dem Knowhow und den Mitteln der Wirtschaft verbinden.
Nachhaltiges Handeln darf jedoch nicht mit altruistischem Handeln der Unternehmen gleichgesetzt werden. Vielmehr kommt auch ihnen Nachhaltigkeit direkt zugute. Von mehr Arbeitssicherheit, Arbeitszufriedenheit, einem schonungsvolleren Umgang mit der Umwelt und nicht zuletzt den daraus resultierenden positiven Werbeeffekten dürften alle Beteiligten profitieren.

Nachhaltigkeit ist für Schweizer Unternehmen kein Fremdwort. Aber...

Ein Augenschein bei grossen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz macht deutlich, dass die Wichtigkeit von nachhaltigem Wirtschaften durchaus erkannt worden ist. Von den zwanzig im Swiss Market Index (SMI) gelisteten Unternehmen ist nur bei deren zwei kein Hinweis auf Nachhaltigkeit zu finden, alle anderen verfügen – oft sehr prominent platziert – über gesteckte Ziele, die sie erreichen möchten. Rund zwölf der zwanzig Unternehmen sind Teil des UN Global Compacts, einer Initiative der Vereinten Nationen, die nachhaltiges Handeln der Wirtschaft fordert und fördert. Auffallend ist, dass die Mehrheit der Unternehmen die Ziele in Eigenregie und oft nur sehr vage formuliert hat; meist handelt es sich nicht um eine direkte Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen resp. um das Erreichen in Zusammenarbeit formulierter Ziele.

Brückenbauerin Schweiz

Eine direkte Zusammenarbeit von internationalen Organisationen und Unternehmen dürfte sich als aufwändiger gestalten als eine reine Selbstverpflichtung zu gesteckten Zielen. Sie ermöglicht aber einen ständigen Informationsaustausch und die Möglichkeit, auf Veränderungen schneller und effizienter zu reagieren. Die Schweiz ist Gaststaat vieler internationaler Organisationen wie die ITU (internationale Fernmeldeunion) oder der Weltpostverein wie auch diverser Sonderorganisationen der Vereinten Nationen wie die WHO (Weltgesundheitsorganisation), die ILO (internationale Arbeitsorganisation) und das international Bureau of Education der Unesco). Gleichzeitig haben viele globale Wirtschaftsakteure wie Syngenta, LafargeHolcim und Transocean ihren Sitz in der Schweiz. Die besten Voraussetzungen, um den Versuch zu wagen, als Brückenbauerin zwischen internationalen Organisationen und der Wirtschaft tätig zu werden. Es wäre ein Beitrag der Schweiz, dem 17. Ziel des Nachhaltigkeitsgipfels, den Partnershipss, einen Schritt näher zu kommen.

Weshalb viele Unternehmen bis heute keiner direkten Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen nachgehen und wie die Rolle der Schweiz als Brückenbauerin aussehen könnte, ist Teil einer laufenden Untersuchung und dürfte in einigen Wochen bekannt sein.

Marianne Bolt hat Politikwissenschaften, Völkerrecht und Arabisch studiert und arbeitet heute als Redaktorin/Kommunikationsspezialistin bei UBS.

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