Nachhaltige Entwicklung braucht ein ambitioniertes Klimaabkommen

Von Linde Griesshaber - Bereits am 13. August wurde dieses Jahr nach Berechnungen des Global Footprint Network die Ressourcenmenge, die der Planet innerhalb eines Jahres erneuern kann, aufgebraucht. Vor 12 Jahren war dies noch am 22. September. Dies zeigt deutlich die Notwendigkeit für eine nachhaltige Entwicklung. In den nächsten Monaten stehen dazu wichtige Entscheidungen an: Diesen Monat bei der geplanten Verabschiedung der Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDG) und im Dezember beim Klimagipfel.

Die geplante Verabschiedung der SDG sowie der Klimagipfel, an dem ein neues Klimaabkommen verabschiedet werden soll, machen 2015 für die globale Zusammenarbeit, insbesondere für die Umwelt- und Entwicklungspolitik, zu einem besonderen Jahr. Seit Anfang August liegt das Abschlussdokument für die SDG vor. Es trägt berechtigterweise den Titel “Transforming our world“, denn die 17 Ziele und ihre Unterziele betreffen viele Bereiche unseres Zusammenlebens. So werden neben sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten auch solche des friedlichen Zusammenlebens und der Gouvernanz adressiert. Für das neue Klimaabkommen unter der Klimarahmenkonvention (UNFCCC)  gibt es weiterhin viele offene Fragen. Trotz getrennter Verhandlungsprozesse sollten sie zusammen angedacht werden.

Einige vorgeschlagene SDG-Ziele können die Erreichung der Klimaziele unterstützen

Das SDG-Ziel Nummer 13 macht die Verknüpfung deutlich, indem es sich explizit auf die Bekämpfung des Klimawandels bezieht (“Take urgent action to combat climate change and its impacts“). Die UNFCCC wird hierfür als primäres internationales Verhandlungsforum genannt, was wichtig ist, um Doppelungen zu vermeiden. Ziele wie die Armutsbekämpfung können Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel helfen. Zudem unterstützen diverse Unterziele die Bekämpfung des Klimawandels beziehungsweise die Anpassung daran, wie zum Beispiel Ziele zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz (7.2 und 7.3), zu integrierten Massnahmen von Städten zu Klimaschutz beziehungsweise Anpassung an den Klimawandel (11.b), zum Stopp der Entwaldung (15.2) sowie zur Rationalisierung ineffizienter Subventionen für fossile Energieträger (12.c). Da sich die Staaten im Abschlussdokument der SDG auf weitreichende Ziele einigen konnten, ist zu hoffen, dass diese Ambitionen auch auf die Klimaverhandlungen ausstrahlen.

Ein ambitioniertes Klimaabkommen ist notwendig für eine nachhaltige Entwicklung entlang der SDG

Ein ambitioniertes Klimaabkommen würde für die Erreichung der Treibhausgasminderung und Anpassung Politikmassnahmen nach sich ziehen, die auch der Erreichung der oben genannten und weiterer SDG- Ziele dienen können. Diese Massnahmen sollten langfristig ausgerichtet und so gestaltet sein, dass sie die Länder auch in ihrer nachhaltigen Entwicklung unterstützen. Ambitionierte Ziele für die finanzielle Unterstützung von Klimaschutz- und Anpassungsmassnahmen in Entwicklungsländern können diese zudem in ihrer nachhaltigen Entwicklung unterstützen. Ein ambitioniertes Klimaabkommen kann daher Katalysator für die Erreichung der SDG sein.

Auch über den Zeitrahmen der SDG (2030) hinaus besteht eine enge Verknüpfung zwischen dem neuen Klimaabkommen und einer – durch die SDG geförderten – nachhaltigen Entwicklung. Denn wenn sich die Staaten auf keine ambitionierten Reduktionsziele einigen können und der maximale Temperaturanstieg im globalen Durchschnitt nicht unter 2 Grad gehalten wird, können die Auswirkungen des Klimawandels einen nachhaltigen Entwicklungsweg entlang der Ausrichtung der SDG, insbesondere in den am wenigsten entwickelten Ländern, stark erschweren. So könnten zum Beispiel vermehrte Dürren als Folge des Klimawandels in besonders armen Ländern den SDG der Armutsreduzierung und Ernährungssicherheit entgegenwirken.

Viele Klimaschutzmassnahmen und SDG betreffen eine effizientere und nachhaltigere Ressourcennutzung oder eine Fokussierung auf erneuerbare Ressourcen. Beides ist wichtig, um zu vermeiden, dass wie dieses Jahr bereits mehr als vier Monate vor Jahresende die Ressourcenmenge verbraucht ist, die der Planet in einem Jahr erneuern kann. Die enge inhaltliche Verknüpfung der SDG und des Klimaabkommens erfordert und ermöglicht es, dass sie sich gegenseitig unterstützen und so die Ambitionen gesteigert werden – sowohl für das Klimaabkommen, als auch für die spätere Umsetzung der SDG und des Klimaabkommens.

Linde Griesshaber, mit Unterstützung von Lukas Dick

Linde Griesshaber ist Leiterin des Programms Umwelt, Energie und Verkehr.

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Linde Warland

Programmleiterin Umwelt, Energie & Verkehr.

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